Al-Wazir plant 200.000 Wohnungen im Großen Frankfurter Bogen

Der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir will künftig Wohnungspotenziale entlang der Bahnschienen besser nutzen. Die Opposition kritisiert seine Pläne.

Al-Wazir plant 200.000 Wohnungen im Großen Frankfurter Bogen

Rund 200.000 neue Wohnungen könnten im Großraum Frankfurt entstehen. Das hat der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir am Montag in einer Regierungserklärung verkündet. Dabei will er sich am „Großen Frankfurter Bogen“ orientieren.

„Wir haben einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Ballungszentren“, so Al-Wazir in seiner Erklärung. Diesem Mangel möchte er mit einer besseren Vernetzung der Region entgegenkommen. „Wir sollten Flächen bevorzugt entlang der S- und Regionalbahn-Achsen suchen“, sagte Al-Wazir. Diese Achsen bildeten den besagten Großen Frankfurter Bogen.

„Dort gibt es noch ungenutzte Potenziale in günstiger Entfernung zu den Haltestellen.“ - Tarek Al-Wazir, Hessischer Wirtschaftsminister

Dabei soll er einen Bereich umfassen, von dem sich der Frankfurter Hauptbahnhof innerhalb von 30 Minuten per Bahn erreicht werden kann. „Dort gibt es noch ungenutzte Potenziale in günstiger Entfernung zu den Haltestellen“, erklärte Al-Wazir.

Die Hälfte dieses Potenzials lasse sich realisieren, indem Lücken gefüllt würden, so Al-Wazir. Neue Wohngebiete müssten also nicht erschlossen werden. Dafür sollen die Kommunen bestmöglich unterstützt werden, versprach der Wirtschaftsminister. Zu den Kommunen innerhalb des Bogens zählte er unter anderem Langenselbold, Groß-Gerau, Hanau und Hochheim. Auch den Ausbau des schnellen Internets möchte Al-Wazir voranbringen.

Zu spät, zu bürokratisch?

„Bestandsmieter werden von Ihnen im Regen stehen gelassen.“ - Elke Barth, SPD-Fraktion

Aus der Opposition kam Kritik an den Plänen des Wirtschaftsministers. Elke Barth von der SPD wies darauf hin, dass die Landesregierung bereits seit fünf Jahren an der Macht sei und sich dem Thema Wohnungsbau zu spät widme. Sie mahnte an, dass die Landesregierung Bestandsmieter besser schützen sollte: „Bestandsmieter werden von Ihnen im Regen stehen gelassen“, so Barth.

Jürgen Lenders von der FDP sprach von zu hohen bürokratischen Hürden und zu viel Regulierung beim Wohnungsbau. „Baurecht, Bürokratie, Steuererhöhungen sowie Energie- und Umweltauflagen sind verantwortlich für steigende Baukosten und Mieterhöhungen“, so Lenders.

Stadt Frankfurt begrüßt Ideen

„Wir begrüßen, dass das Land die Region in die Pflicht nimmt.“ - Mark Gellert, Sprecher Planungsdezernat

In Frankfurt selbst kommt die Initiative des Ministers gut an. Der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert, sagte, dass zwar viele der Ideen nicht neu wären, aber: „Wir begrüßen, dass das Land Hessen die Region mit in die Pflicht nimmt bei der Schaffung von Wohnraum.“ Auch den Fokus auf Schienen statt auf Straßen sieht er positiv. „Es ist vernünftig, dass sich das Land am schienengebundenen öffentlichen Nahverkehr orientiert. Das tun auch wir schon lange.“

Wie genau die Umsetzung des Projekts des Großen Frankfurter Bogens aussehen soll, ist noch nicht klar. Al-Wazir lud die Kommunen im Umkreis Frankfurts ein, sich darüber mit ihm auszutauschen. Der früheste Termin dafür sei nach der Sommerpause. (nm)

Logo