Leere Büros werden zu Wohnprojekten

Frankfurt hat viele Büros, aber zu wenige Wohnungen. Im Bahnhofsviertel werden nun zwei Gebäude zu gemeinschaftlichen Wohnprojekten umfunktioniert.

Leere Büros werden zu Wohnprojekten

Im Frankfurter Bahnhofsviertel stehen viele Bürohäuser leer. Aus zwei von ihnen werden künftig gemeinschaftliche Wohnprojekte. Die Stadt Frankfurt entschied, die Liegenschaften an Projektgruppen zu verpachten, die vom Konzept - nicht vom Gebot her - überzeugten.

„Das verstehe ich unter nachhaltiger und integrierter Stadtentwicklung.“ - Planungsdezernent Josef

Bis Mitte Juli waren gemeinschaftliche und genossenschaftliche Projekte aufgerufen, sich mit einem Konzept für die Vergabe zweier ehemaliger Bürohäuser in der Niddastraße 57 und 59 zu bewerben. Unter insgesamt sechs Bewerbungen wurde das „Hausprojekt Offenbach“ und die „Wohngruppe Niddastern“ als Favoriten ausgewählt. „Beide Projekte entsprechen der Zielsetzung des Liegenschaftsfonds zur Schaffung von innovativem Wohnraum“, sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD). „Sie stellen eine für den schwierigen Standort im Bahnhofsviertel optimale Wahl dar, da beide Konzepte einen hohen Anspruch an die Wirkung ins Quartier mitbringen. Das verstehe ich unter nachhaltiger und integrierter Stadtentwicklung.“

Der Beirat zum Liegenschaftsfond, bestehend aus Vertretern der Ämter, der Politik, der Konversions-Grundstücksentwicklungs GmbH und Experten zum gemeinschaftlichen Wohnen, entschied anhand der Kategorien soziale Aspekte, Einfluss des Wohnprojekts auf das Quartier, Wohnkosten, städtebaulicher Innovationsgehalt, nachvollziehbare Realisierbarkeit, Finanzierbarkeit und Kooperationspartner. „Mit dem Liegenschaftsfond wollen wir einzelne Liegenschaften bewusst dem Markt und der Spekulation entziehen, hier geht es um Innovation und Ideenvielfalt“, so Josef.

Wohnraum für 40 Personen

Das Bürohaus in der Niddastraße 57 mit einer Grundfläche von 2.200 Quadratmeter wird an das „Hausprojekt Offenbach“ vergeben. Das selbstorganisierte Projekt möchte in dem Eckhaus Wohnraum für rund 40 Personen, vorwiegend in Großhaushalten verwirklichen. Im Erd- und im Dachgeschoss sind Gemeinschaftsräume geplant und damit Räume für Kreative und für Kinder - eine Zielgruppe, für die es im Bahnhofsviertel bisher kaum Angebote gibt.

Die Initiative hat in der Vergangenheit bei der Planung des Projekts Philosophicum und im WohnBüro Offenbach Erfahrung sammeln können. Die Konversion von Büro in Wohnraum sieht die Gruppe als besondere Herausforderung, die sie mit minimalen Eingriffen verwirklichen möchten. Die Wahl fiel darauf wegen der geplanten Rechtsform als Projekt des Mietshäusersyndikats, ein basisdemokratisches Netzwerk, das in ganz Deutschland vertreten ist. Auch der generationenübergreifende Ansatz und barrierearme Ausbau wurden gelobt.

Sechs Wohneinheiten und ein Dachgarten

Das benachbarte Gebäude in der Niddastraße 59 mit rund 750 Quadratmetern wird an die „Projektgruppe Niddastern“ vergeben. Sie will in dem schmalen Gebäude sechs Wohneinheiten, einen gemeinschaftlich genutzten Dachgarten und eine halböffentlich genutzte Erdgeschosszone mit Gemeinschaftsküche verwirklichen. Die Gruppe besteht aus Kreativen mit einer engen Bindung an das Bahnhofsviertel und dem Wunsch, im Alter als „Wahlfamilie“ gemeinschaftlich zu leben.

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Ziel der Gruppe ist es, die charakteristische Fassade des Gebäudes zu erhalten und den Umbau mit einem Minimum an Eingriffen zu bewältigen. Dies hob der Beirat in seiner Begründung ebenso hervor, wie den expliziten Sharing-Ansatz des Projektes, denn die einzelnen Wohnungen sollen nur mit kleinen Küchen ausgestattet und Haushaltsgeräte gemeinsam genutzt werden.

Die Liegenschaften werden in Erbbaupacht vergeben, die aus einem gutachterlich festgestellten Bodenwert abgeleitet wird. Die Höhe wird noch in der Stadtverordnetenversammlung festgesetzt.

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