Radfahrer sollen sich in Frankfurt bald besser zurechtfinden

Ein Ausbau der Radwege-Beschilderung in Frankfurt ist von politischer Seite seit langem geplant. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling will das Projekt bis 2021 abschliessen. Die Stadt soll damit einen Rückstand aufholen.

Radfahrer sollen sich in Frankfurt bald besser zurechtfinden

Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel bietet Vorteile. Es macht unabhängig, ist umweltfreundlich, preiswert und hält fit. In Frankfurt kann Fahrradfahren allerdings schnell zur Geduldsprobe werden: Das Streckennetz ist unübersichtlich, Radwege enden häufig abrupt und allzu oft ist unklar, wo das Fahren überhaupt erlaubt ist.

Frankfurt soll Rückstand aufholen

Um einige dieser Probleme zu beheben und Frankfurt damit für Fahrradfahrer attraktiver zu machen, hat das Verkehrsdezernat die Ausdehnung der Radwege-Beschilderung auf das gesamte Stadtgebiet geplant. Bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode im Jahr 2021 solle das Projekt abgeschlossen sein. Nach Angaben der Stadt sollen die geplanten Wegweisern Auskunft über die jeweiligen Zielorte sowie über deren Entfernung in Kilometern zu geben.

Laut Stefan Lüdecke vom Verkehrsdezernat ist es heutzutage in Deutschland selbstverständlich, ein städtisches Radrouten-Netz auszuschildern. „Eine solche Beschilderung kennen wir ja zum Beispiel schon für den Fernverkehr. Dass es das auch für Radfahrer gibt, ist sozusagen State of the Art“, sagt er. In diesem Punkt habe Frankfurt im Vergleich zu anderen deutschen Städten bisher hinterhergehinkt, Grund dafür sei das Versäumnis eines vorangegangenen Verkehrsdezernenten. Der amtierende Dezernent Klaus Oesterling (SPD) wolle hier nun Vorschub leisten.

Zusätzliche Verbesserungen

Der Aufbau der Beschilderung ist aufwendiger, als zu vermuten wäre: „Im Moment schaffen wir einen Stadtteil pro Monat“, sagt Lüdecke. Anfang Februar sei Niederursel fertig geworden, nun folge als nächstes Heddernheim. Dass es langsam vorangeht, liege an den jeweiligen Begleitumständen der Installation, wie er erläutert: „Beispielsweise muss geprüft werden, ob an der einen oder anderen Stelle aus einer Treppe eine Rampe gemacht werden muss.“

Solche Maßnahmen seien notwendig, da im Zuge der Beschilderung gleich auch das städtische Radwegenetz verbessert werden solle, erklärt Lüdecke. Dazu gebe es das sogenannte Lückenschlussprogramm. Dieses solle garantieren, dass dort, wo ein Weg ausgeschildert ist, auch tatsächlich gefahren werden könne.

Eine Motivation um auf das Fahrrad umzusteigen

Insgesamt solle das Projekt die Infrastruktur im Radverkehr verbessern. „Nicht nur für Touristen, sondern auch, um die Frankfurter Bevölkerung dazu zu motivieren, öfter mal aufs Rad umzusteigen“ verspricht Lüdecke. Die Wegweiser seien gerade für diejenigen Menschen eine Hilfestellung, die bisher eher zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs seien und sich mit dem Fahrrad nicht auskennen würden.

In einzelnen Fällen würden die Wegweiser zusätzlich mit kleinen Schildern versehen, wie beispielsweise dem Konterfei eines Goethe-Kopfes, der stellvertretend für die gleichnamige Universität steht. Die kleineren Zwischenwegweiser haben ein kompaktes Maß und beschränken sich auf einen Richtungspfeil mit Fahrradsymbol.

Komfort ist nicht überall garantiert

Auch Bertam Giebeler vom „Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Frankfurt am Main“ (ADFC) ist vom Sinn des Beschilderungsprojektes überzeugt: „Wir finden das im Prinzip gut.“ Allerdings relativiert er auch. Zwar sei das Projekt insgesamt handwerklich gut gemacht, trotzdem könne es sein, dass der eine oder andere technische Fehler passiere. Wie beispielsweise, dass eine Kilometerangabe auf einem Schild falsch sei. Außerdem setze die Beschilderung zwar voraus, das die entsprechende Strecke befahrbar sei, „das heißt aber noch nicht, dass der Radweg auch zu 100 Prozent komfortabel ist“, gibt Giebeler zu bedenken.

Daher fordert der ADFC unabhängig von der neuen Beschilderung auch einen Ausbau der Infrastruktur an den Hauptstraßen. „Überall dort, wo ein Tempolimit von 50 Kilometer pro Stunde gilt, sollte die Hauptstraße durch einen Radweg ergänzt werden“, findet Giebeler. Die Beschilderung vermeide die Hauptstraßen in vielen Fällen hingegen geradezu. „Das möchten wir nicht akzeptieren“, macht er deutlich.

Hauptstraßen als Problemfälle

Auch Lüdecke gesteht ein, dass diejenigen Frankfurter Hauptstraßen, die noch keine Radwege haben, „zu den Knackpunkten zählen.“ Hierzu gehöre beispielsweise der Abschnitt Friedberger Landstraße. Dort könnten Radwege nur angelegt werden, indem eine Fahrspur des Autoverkehrs zugunsten des Radverkehrs umgewandelt wird.

Innerhalb der Stadtregierung gebe es unterschiedliche Auffassungen, wie mit diesen Straßen umgegangen werden solle, die Stadt Frankfurt sei jedoch bemüht, Lösungen zu finden. Zurzeit fänden hierzu auch Gespräche mit dem Radentscheid statt. Welche Ergebnisse dabei erzielt werden, bleibt abzuwarten. (mr)

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