Der Sprengstoff-Anschlag vom Frankfurter Flughafen

34 Jahre ist es her, dass im Frankfurter Flughafen eine Reisetasche voll Sprengstoff explodierte und mehrere Menschen in den Tod riss. Bis heute ist der Fall ungeklärt.

Der Sprengstoff-Anschlag vom Frankfurter Flughafen

Der Tag, an dem sich am Frankfurter Flughafen alles ändern sollte, war ein Mittwoch im Juni 1985. Um 14:42 Uhr explodierte eine Reisetasche, gefüllt mit mehreren Kilo Sprengstoff, im Terminal B - noch vor der Sicherheitsschleuse im öffentlichen Bereich. Drei Menschen, darunter zwei Kinder, wurden von der Wucht der Explosion getötet, mehr als 40 weitere verletzt. Auf alten Bildern von damals sieht man das Ausmaß der Detonation: Gepäckwagen und Trümmer liegen am Boden, Ruß, Scherben und Gepäckreste ebenso.

Auf den Tag genau 34 Jahre ist der Anschlag vom 19. Juni 1985 her - und noch immer ist der Vorfall nicht aufgeklärt. Was schon kurz nach der ersten Meldung über das Attentat folgte, nannte der Spiegel 1985 „die größte Bekennerlawine aller Zeiten“. Nur zehn Minuten, nachdem der Hessische Rundfunk in seinen 16-Uhr-Nachrichten berichtet hatte, rief ein Unbekannter bei der Frankfurter Rundschau an. Seine einzigen Worte: „Wegen der Bombe am Flughafen - weitere Bombenanschläge werden folgen.“ Dann legte er auf.

Mehr als 30 Bekennerschreiben

Im Lauf der folgenden zwei Wochen meldeten sich mehr als 30 Personen, die behaupteten, hinter dem Sprengsatz gesteckt zu haben. „Die reichten von ganz links (‘Hier spricht die RAF’) bis ganz rechts: ‘Deutschland erwache. Heil Hitler’“, schrieb der Spiegel damals darüber. Auch die sogenannten Friedenseroberer und die Tamilische Befreiungsfront bekannten sich damals. Auf der Suche nach dem tatsächlichen Täter tappten die Experten der Sonderkommission „Flughafen“ jedoch weiter im Dunkeln.

Der Vorfall am Frankfurter Flughafen war zu dieser Zeit nicht der einzige. Eine regelrechte „Welle von Terroranschlägen“, wie es Ermittler nannten, traf die zivile Luftfahrt damals. Nach der Reisetasche in Frankfurt explodierte nur vier Tage später eine Maschine von Air-India kurz vor Irland in der Luft - 329 Menschen starben. Dort hatte jemand einen Koffer mit Sprengstoff eingecheckt, war dann aber selbst nicht an Bord gegangen. Das Ergebnis: deutlich schärfere Sicherheitskontrollen und „höchste Kontrollstufe“, wie Sicherheitsexperten es damals bezeichneten.

Die Folgen sind noch heute spürbar

„Eine wichtige Rolle spielen seitdem nicht zuordenbare Gepäckstücke.“ - Dieter Hulick, Sprecher Fraport

Das bestätigt auch Dieter Hulick, Sprecher der Fraport für den Flug- und Terminalbetrieb. „Eine wichtige Rolle spielen seitdem nicht zuordenbare Gepäckstücke“, erklärt er. „Das ist sicher auch durch diese Zeit in den Achtzigern stärker geworden.“ Herrenlose Koffer sorgen regelmäßig für Einsätze und Sperrungen nicht nur am Flughafen, sondern auch an Bahnhöfen - meist werden sogar Sprengstoffexperten zur Untersuchung dazu gezogen, um im Ernstfall einschreiten zu können.

Bis heute ist nicht klar, wer hinter dem Sprengstoffanschlag auf den Frankfurter Flughafen 1985 steckte. „Die Ermittlungen dauern noch immer an“, sagt eine Sprecherin der zuständigen Bundesanwaltschaft auf Anfrage von Merkurist. In Ermittlerkreisen wird vermutet, dass Terroristen der palästinensischen Abu-Nidal-Organisation den Anschlag geplant und durchgeführt haben. Bestätigen kann die Bundesanwaltschaft das jedoch nicht. (mr)

Logo