Frankfurter Moscheen zwischen Pracht und Hinterhof-Atmosphäre

Frankfurter Moscheen sind nicht immer leicht zu finden. Das liegt nicht nur an ihrer teilweise dezentralen Lage, sondern auch an ihrem Aussehen. Die wenigsten muslimischen Gotteshäuser haben eine Kuppel und Minaretten. Doch woran liegt das?

Frankfurter Moscheen zwischen Pracht und Hinterhof-Atmosphäre

Obwohl es in Frankfurt zahlreiche Moscheen gibt, sind diese nicht immer sichtbar. Denn anders als die Kirchen der Stadt befindet sich nicht jedes muslimische Gotteshaus in einem prächtigen, traditionellen oder auffälligen Gebäude. So beten die Mitglieder der Gemeinde Islamische Informations- und Serviceleistungen (IIS) in Räumen, die über einen Hinterhof zu erreichen sind.

Gläubige, die der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde angehören, praktizieren dahingegen unter anderem in der Nuur-Moschee, die mit einer Kuppel und zwei Minaretten klar als Moschee zu erkennen ist.

Als schönste Moschee gilt die Abu Bakr-Moschee in Hausen.

Doch woran liegt es, dass Moscheen von außen unterschiedlich auffällig sind?

Finanzielle Gründe

Merkurist-Leser Tyr hat eine Vermutung:

„Tatsächlich sind es vor allem finanzielle Gründe, die dazu führen, dass viele Moscheen in Sachen Standort und auch vom Bau her betrachtet recht bescheiden aufgestellt sind“, sagt Mohammed Johari, Imam in der Informations- und-Serviceleistungen-Gemeinde und Sozialpädagoge. Dies bestätigt Imtiaz Shaheen, der Imam der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Frankfurt und Theologe ist. Die meisten Moscheen finanzieren sich nur durch Spenden der Mitglieder. Daher könne nicht jede kleine lokale Gemeinde eine Moschee bauen. „Hinter der Realisierung unseres Moscheebauprojekts steckt Jahrzehnte lange Arbeit“, sagt Mounir El Horchi von der prächtigen Abu Bakr Moschee. Zudem weißt der Iman darauf hin: „Wir haben ebenfalls in den Siebzigern und Achtzigerjahren in bescheidenen Verhältnissen angefangen.“

„Ein Grund dafür war und ist die zuweilen ablehnende, misstrauische Haltung vieler Deutscher gegenüber den aufwendigen Moscheenbauten.“ - Nadine Berghausen, Kunsthistorikerin

Die Kunsthistorikerin Nadine Berghausen hat sich genauer mit der Architektur von Moscheen beschäftigt. In einem Artikel auf der Webseite des Goethe Instituts aus dem Jahr 2018 schreibt sie, dass von etwa 2800 Moscheen und islamischen Gebetsstätten, die es in der Bundesrepublik gibt nur rund 350 als solche erkennbar sind. Denn ihr Gebäude habe eine türkisch-osmanische Architektur mit Kuppel und Minarett. Die Kunsthistorikerin erklärt sich die wenige Sichtbarkeit der muslimischen Gotteshäuser folgendermaßen: „Ein Grund dafür war und ist die zuweilen ablehnende, misstrauische Haltung vieler Deutscher gegenüber den aufwendigen Moscheenbauten.“ Und weiter: „Aus Angst vor einer vermeintlichen Islamisierung möchten sie nicht, dass islamische Prachtbauten einen zu großen visuellen Einfluss auf das Stadtbild nehmen.“

„Ein großes Problem ist, dass nur selten die Genehmigung erteilt wird, die Moschee sichtbar in die Stadt zu bauen.“ - Imtiaz Shaheen, Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde

Diese Erfahrung hat auch Shaheen gemacht. „Ein großes Problem ist, dass nur selten die Genehmigung erteilt wird, die Moschee sichtbar in die Stadt zu bauen“, sagt der Imam der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde. Deshalb befinde sich ein großer Teil der Moscheen in Industrie- und Mischgebieten. Debatten um den Bau von Moscheen scheinen die muslimischen Gemeinden dadurch aber nicht entkommen zu können. Proteste der Bürger und Debatten zum Bau von muslimischen Gotteshäusern gebe es viele. „Ironischerweise wird auf der einen Seite immer wieder gefordert, dass Muslime sich nicht verstecken und keinesfalls Hinterhofmoscheen haben sollten“, so Shaheen, „aber auf der anderen Seite gibt es beim Wunsch, eine Moschee bauen zu wollen, lautstarke Proteste wie ,Eine Moschee passe nicht ins Stadtbild’ und ,Die Minaretten dürfen nicht höher als der Kirchturm sein’.“

Wollen Muslime nicht auffallen?

Dieses Klima führt laut Johari auch teilweise dazu, dass sich wenige Muslime nicht öffentlich als solche zu erkennen geben möchten. Shaheen sieht das anders. „Keinesfalls ist es so, dass man nicht auffallen möchte“, sagt der Imam. Seine Gemeinde versuche sich möglichst transparent zu präsentieren und eine Offenheit gegenüber anderen Religionen sowie Kulturen zu zeigen.

„In diesem Sinne strebt jede Gemeinde einen im Rahmen der Bescheidenheit ästhetischen Bau an.“ - Mohammed Johari, IIS

Doch kann die eigene muslimische Religion in einem einfachen Gebetsraum genauso gut praktiziert werden, wie in einer prachtvollen Moschee? „In puncto Moscheenbau versucht jeder Verein so ansehnlich wie möglich zu sein“, sagt Johari. Dabei versuchen die meisten die Balance zwischen schön und zu prachtvoll zu halten. Denn religiös betrachtet sei eine luxuriöse Moschee nicht erwünscht. Gleichzeitig gelte die Maxime „Allah ist schön und Er liebt schönes“. „In diesem Sinne strebt jede Gemeinde einen im Rahmen der Bescheidenheit ästhetischen Bau an“, so Johari weiter.

„Sehr viele Verzierungen können sogar dazu führen, dass man den wahren Sinn des Gebets vergisst und abgelenkt wird.“ - Imtiaz Shaheen, Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde

Doch diese Schönheit spielt laut Shaheen keine große Rolle für das Gebet. Vielmehr sei es wichtig, einen Ort zu haben, an dem beim Beten von verschiedenen Menschen eine „Atmosphäre von Liebe“ kreiert werde. Auch der Prophet Mohammed habe dem Glauben nach zu seiner Zeit in einer Moschee gebetet, die Holzpfähle als Säulen und ein Dach aus Stroh hatte, durch das bei Regen Wasser tropfte. „Sehr viele Verzierungen können sogar dazu führen, dass man den wahren Sinn des Gebets vergisst und abgelenkt wird“, so Shaheen weiter. Zudem lebe eine Moschee laut El Horchi nicht nur von ihrem Äußeren, sondern von der „Lebendigkeit ihrer Gemeinde und Ihren Aktivitäten“.

„Und war es wichtig, eine Moschee mit repräsentativem, transparentem und offenem Charakter zu konzipieren.“ - Mounir El Horchi, Abu Bakr Moschee

Und so hat sich in Deutschland laut Kunsthistorikerin Berghausen eine Stilrichtung der Euro-Islam-Architektur etabliert. Dieses Design beschreibe eine „säkularisierte Form des Islams in Europa“. Dies könnte beispielsweise zu einer türkisch-osmanischen Kuppelmoschee mit aufgebrochenen Wänden und vielen Fensterelementen führen, wie es sie in Köln gibt. Dabei werde versucht, orientalische Elemente mit einem modernen und weltoffenen Islam zu verbinden. Das versuchte die Gemeinde der Abu Bakr-Moschee bei ihrem Bauprojekt auch umzusetzen. „Uns war es wichtig, eine Moschee mit repräsentativem, transparentem und offenem Charakter zu konzipieren“, sagt El Horchi. Zudem solle sie in die nicht-muslimische Nachbarschaft passen. „Wir wollten definitiv zu einer kulturellen Bereicherung der Stadt Frankfurt beitragen.“ Die Stadt Frankfurt mache dies den ansässigen Muslimen laut El Horchi leichter, als dies in anderen Städten der Fall sei. (pk)

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