Als im Rhein-Main-Gebiet die Angst vor Milzbrand umging

Mysteriöse Briefe hielten im Oktober 2001 das Rhein-Main-Gebiet in Atem. Was dahinter steckt.

Als im Rhein-Main-Gebiet die Angst vor Milzbrand umging

Ein Briefumschlag und ein weißes Pulver, das herausrieselte: Was eine Mitarbeiterin der Mainzer „Rhein-Zeitung“ und ihre drei Kollegen am 13. Oktober 2001 dort in den Händen hielten, sorgte für große Aufregung. Doch was steckte dahinter?

Nach den Terroranschlägen vom 11. September waren in den USA sieben Umschläge mit dem Bakterium Bacillus anthracis gefunden worden. Dieses kann auf der Haut, in der Lunge oder auch im Darm lebensbedrohliche Infektionen auslösen. Fünf Menschen starben damals, ein Zusammenhang der Anthrax-Anschläge mit 9/11 konnte nie bewiesen werden. Vielmehr ging man davon aus, dass der Wissenschaftler Bruce Edwards Ivins alleinig für die Anschläge verantwortlich war. Er hatte im Jahr 2008 eine Woche, bevor die Anklage gegen ihn erhoben werden konnte, mit einer Überdosis Paracetamol Selbstmord begangen.

Doch zurück ins Jahr 2001: Auch in Deutschland ging die Angst vor den Milzbrand-Erregern um. Und wurde in Mainz am 13. Oktober 2001 auch zur realen Gefahr. Denn der Briefumschlag, der bei der Mainzer „Rhein-Zeitung“ eintraf, hätte das Bakterium enthalten können. Wie die „Allgemeine Zeitung“ damals berichtete, wurden sofort alle Sicherheitsvorkehrungen verschärft, um die Gesundheit der Mitarbeiter, aber auch der Bevölkerung zu schützen. Das Redaktionsgebäude wurde abgesperrt, genauso wie die umliegenden Straßen. In Schutzanzügen sicherten Feuerwehrmänner den Brief, er und die darin enthaltene Substanz wurden zur Untersuchung nach Stuttgart geschickt. Am Tag danach die Entwarnung: Die Substanz war ungefährlich.

Auch Klein-Winternheim in Aufruhr

Ein Kuvert mit der Aufschrift „Krieg“ und „bin Laden“: Einen Tag vor dem Vorfall in der Mainzer Innenstadt hatte ein angeblicher Milzbrand-Brief in Klein-Winternheim für Aufregung gesorgt. Wie die „Allgemeine Zeitung“ berichtete, war der HL-Markt im Gewerbegebiet das Ziel. Auch hier: weißes Pulver in dem Umschlag. Nach der Untersuchung in Stuttgart stellte sich heraus: Es war wohl Back- oder Waschpulver. Und auch in Wiesbaden waren insgesamt neun Umschläge gefunden worden, unter anderem bei einer Bank, einer Gaststätte und im Schiersteiner Rathaus. In Offenbach und Frankfurt sorgten ebenfalls Briefe mit weißem Pulver für Wirbel. Auch hier: Entwarnung.

Trotz allem schürten diese Vorfälle die Angst vor Milzbrand im Rhein-Main-Gebiet. Gerade bei der Deutschen Post war man daher in höchster Alarmbereitschaft, wie die „Allgemeine Zeitung“ in einem Bericht wenige Tage nach dem vermeintlichen Anschlag in Mainz berichtete. Alle Mitarbeiter wurden untersucht und gezielt geschult, Mediziner hielten Vorträge. 72 Millionen Briefe waren damals täglich unterwegs - und nicht jeder konnte kontrolliert werden. Doch wie Pressesprecher Stefan Heß damals sagte: „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie.“ (mm)

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