Wie der neue Stadtteil zu seinem Namen kommt

An der A5 soll schon bald ein neuer Stadtteil für Frankfurt entstehen - und mit 10.000 neuen Wohnungen für Entlastung auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Doch bisher ist der geplante Stadtteil namenlos, denn die Benennung ist keine alltägliche Aufgabe.

Wie der neue Stadtteil zu seinem Namen kommt

Rund 10.000 neue Wohnungen sollen im Frankfurter Norden zwischen Steinbach, Niederursel und Praunheim an der A5 gebaut werden und so den angespannten Wohnungsmarkt entlasten. Doch das Projekt „Neuer Stadtteil“ ist umstritten - zu viel Natur werde zerstört, die Frischluftschneise beschnitten, fürchten Anwohner und Landwirte. 15.000 Menschen haben deshalb sogar eine Petition gegen den neuen Stadtteil unterschrieben.

Die Stadt lässt sich davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen. „Wenn wir sagen, wir wollen nicht jede Grünfläche und jeden Hinterhof im Innenstadtbereich zubetonieren, dann müssen wir auch in die Außenflächen gehen“, sagte Planungsdezernent Mike Josef im Februar gegenüber Merkurist. Laut Website der Stadt könnten die ersten Wohnungen dort 2025 zum Verkauf stehen. Doch soweit die Planung auch ist - einen Namen hat der neue Stadtteil bisher nicht. Oder?

Eine neue Situation für die Stadt

„Wie der neue Stadtteil heißen wird, steht bisher noch nicht fest“, sagt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, im Gespräch mit Merkurist. Anders als bei Straßennamen gebe es zur Benennung eines neuen Stadtteils gar kein geordnetes Verfahren - eine alltägliche Aufgabe ist die Namensfindung also nicht. In der jüngeren Frankfurter Geschichte gab es keine Situation, die sich direkt vergleichen lässt.

Denn die neuesten Stadtteile wie Harheim, Bergen-Enkheim oder Nieder-Erlenbach wurden in den Siebzigerjahren nach Frankfurt eingemeindet, hatten alle schon vorher einen Namen. Noch sei es zudem gar nicht sicher, ob das Areal an der A5 überhaupt zum rechtlich eigenständigen Stadtteil werde, so Gellert.

Ein Fall für die Ortsbeiräte?

Doch egal wie: Einen Namen braucht das geplante Viertel trotzdem. Den könnten beispielsweise die Ortsbeiräte der betroffenen Stadtteile finden. Vergleichbar wäre die Situation beispielsweise mit dem Neubaugebiet auf dem Riedberg. „Das Areal ist so groß, aber rechtlich kein neuer Stadtteil geworden“, erzählt Gellert. Damals habe der zuständige Ortsbeirat beschlossen, den Namen des bisherigen Stadtteils zu erweitern: von Kalbach zu Kalbach-Riedberg.

Beispielhaft für ein Stadtviertel, das einen neuen Namen bekommen hat, ist auch die Bürostadt in Niederrad. Weg von den Büros und hin zur gemischten Nutzung passte der alte Name nicht mehr optimal zum Viertel. Auch hier entschied sich der Ortsbeirat für eine Umbenennung. Aus der Bürostadt wurde das Lyoner Quartier, weil die Lyoner Straße durch das Viertel hindurchführt.

Noch ist Geduld nötig

„Es wird also voraussichtlich auch beim neuen Stadtteil so sein, dass sich die betroffenen Ortsbeiräte beratschlagen.“ - Mark Gellert, Planungsdezernat

„Es wird also voraussichtlich auch beim neuen Stadtteil so sein, dass sich die betroffenen Ortsbeiräte beratschlagen“, erklärt Gellert. Auch die Stadtverordnetenversammlung könnte die Benennung laut Gellert an sich ziehen - wenn ihr das Thema so wichtig vorkomme.

Aktuell befindet sich die Stadt, so Gellert, aber sowieso noch rechtlich in der Phase der „vorbereitenden Untersuchung für eine städtebauliche Erweiterungsmaßnahme“. In puncto neuer Stadtteil oder neues Viertel ist also formal noch nichts entschieden. Auf seine Taufe muss das neue Areal deshalb noch ein bisschen warten. (mr)

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