Manche kämpfen gegen Müll im öffentlichen Raum, andere zerstreuen ihn

In den vergangenen Wochen hat es wieder mehr und größere Müllhaufen im Stadtgebiet gegeben. Die Mitarbeiter der FES stoßen an ihren Grenzen. Die Stabstelle „Sauberes Frankfurt“ versucht, die Frankfurter zu mehr Sauberkeit zu motivieren.

Manche kämpfen gegen Müll im öffentlichen Raum, andere zerstreuen ihn

Kaum ist es etwas wärmer draußen, quellen die Mülleimer in der Stadt über. Auch auf den Grünflächen in den Parks und am Mainufer liegen — mal mehr und mal weniger zerstreut — Abfälle. Die Situation auf den städtischen Plätzen ist nicht viel besser. Auch dort stapelt sich der Müll nach einem Wochenende mit guten Wetter. Das sorgt bei vielen Frankfurtern für Ärger. Sie teilen Fotos in von Müllhaufen in Frankfurt, die immer mehr zu wachsen scheinen, in den sozialen Medien. Doch was wird in Frankfurt dagegen getan und warum schmeißen Menschen ihren Müll in der Öffentlichkeit einfach hinter sich?

„Es hat einen Wandel des Verhaltens im öffentlichen Raum gegeben.“ - Claudia Gabriel, Stabstelle Sauberes Frankfurt

Die Menge an Müll im Stadtgebiet hängt mit den Temperaturen zusammen. Das sagen sowohl Stefan Röttele von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES), die den Müll in Frankfurt entsorgt, und Claudia Gabriel von der Stabstelle „Sauberes Frankfurt“, die sich für die Aufklärung und Müllvermeidung in der Stadt einsetzt. Denn bei wärmerem Wetter werden die öffentlichen Flächen mehr genutzt — und das heute mehr als früher. „Es hat einen Wandel des Verhaltens im öffentlichen Raum gegeben“, sagt Gabriel. Früher seien die Menschen eher in Cafés und andere ausgewiesene Bereiche gegangen, um außerhalb von Zuhause zu konsumieren. Heute werden Plätze, Parks und das Mainufer dafür genutzt. Und wo konsumiert, gegessen und getrunken wird, werde auch Müll hinterlassen, so Gabriel. Besonders viel Müll bleibe auf und um Grillplätze liegen. Aber auch das Mainufer und der Friedberger Platz nach dem Freitagabend-Treff fallen den Müllmengen zum Opfer. Auch nahe Fastfood-Restaurants und Supermärkten findet man laut Röttele verstärkt Müllhaufen.

Infrastruktur der Frankfurter Müllentsorgung stößt an ihre Grenzen

Kommen dann noch ein Feiertag oder Feste dazu, dann könne die vorhandene Infrastruktur zur Beseitigung des Abfalls nicht mehr greifen. „Die Infrastruktur ist nicht in der Lage, die Massen zu bewältigen, die dann anfallen“, sagt Röttele. Darauf sei bei der FES bereits reagiert worden. So sei Personal aufgestockt worden, das seit 2017 auch nachmittags, am Wochenende und an Feiertagen im Einsatz ist. Auch hat die FES seit Kurzem das Mehrwegbecher-Leihsystem „Cup2gether“ und möchte damit den Einwegmüll reduzieren. „Wir müssen uns dem erhöhten Konsum stellen und dafür werben, nachhaltig zu leben“, schätzt Röttele die Lage ein.

Die Stabstelle „Sauberes Frankfurt“ stellte in den vergangenen eineinhalb Jahren rund tausend zusätzliche Mülleimer auf, gerade am Mainufer. Doch vor allem möchte die Stabstelle mit ihrer Kampagne „Cleanffm“, die Bevölkerung dazuzubringen, ihren Müll nicht mehr auf öffentlichen Flächen zu hinterlassen und erst gar nicht so viel Abfall zu produzieren. Dafür sind sogenannte Sauberkeitsbotschaftler auf den Grünflächen unterwegs und sprechen die Leute, die sich dort aufhalten, gezielt auf das Thema an. Auch Parkwächter halten sich dort teilweise auf. Sie passen auf, dass die Frankfurter ihren Müll nicht einfach neben sich, sondern in Mülleimer schmeißen oder mit nach Hause nehmen.

Gründe dafür, Müll hinter sich zu lassen

Dafür müssen die Sauberkeitsbotschaftler aber auch erst einmal dahinter kommen, warum Menschen überhaupt ihren Müll in der Öffentlichkeit hinterlassen. Eine genaue Antwort darauf habe man noch nicht gefunden, sagt Gabriel.

„Da sich meistens später kein Urheber mehr feststellen lässt, zahlt jeder für die Entsorgung.“ - Stefan Röttele, FES

Doch Vermutungen gibt es: Die Menschen denken laut Gabriel nicht allzu viel über ihr Verhalten nach. Zudem trage ein „zunehmendes egozentrisches Weltbild“ dazu bei, sich nicht viel darum zu scheren, welche Auswirkungen die auf den Boden geschmissene Verpackung für die Mitmenschen hat. „Da sich meistens später kein Urheber mehr feststellen lässt, zahlt jeder für die Entsorgung“, schiebt Röttele ein. Zudem denken viele nicht daran, wie gefährlich leere Flaschen für Kinder und Tiere sein können, wenn sie kaputt gehen und in Scherben herumliegen.

„Voll kann man alles transportieren. Doch wenn die Sachen aufgebraucht sind, schafft man es nicht, sie mitzunehmen.“ - Claudia Gabriel, Stabstelle Sauberes Frankfurt

Auch möchte „Cleanffm“ dazu ermutigen, die permanente Bedürfnisbefriedigung zu hinterfragen. „Muss ich wirklich diese Müllmengen produzieren?“ — Diese Frage sollten sich einige stellen, so Gabriel. „Oder können die Müllmengen beispielsweise durch eine bessere Planung reduziert werden?“ Denn: „Der beste Müll ist der, der nicht entsteht“, sagt Gabriel. Zudem treibt die Leiterin der Stabstelle noch eine weitere Frage um: „Voll kann man alles transportieren. Doch wenn die Sachen aufgebraucht sind, schafft man es nicht, sie mitzunehmen. Wie kann das sein?“ (lp)

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